Die Zeit nach Franz…

Mit vielen neuen Ansätzen und wieder einmal dem Gefühl, weitere grundlegende und wichtige Dinge verstanden zu haben, haben wir sehr motiviert mit der Weiterarbeit begonnen.

Das Hauptaugenmerk liegt nun also darauf, Fiete noch besser die Halsbasis links öffnen und den Thorax links heben zu lassen – doch wie geht denn das genau?

Den Anfang macht mal wieder die Arbeit mit dem Faszienrad: Wir müssen noch konkreter darauf eingehen, ein wirklich endgradiges Heben im Bereich hinter dem Widerrist bei Fiete abzufordern. Genau hier liegt in der Betrachtung seines Seitenbildes meist noch die größte Imbalance. Um das angesprochene Heben zu erreichen, radeln wir mit dem Faszienrad genau gegenüberliegend entlang der Rumpfträger. Schafft Fiete ein gutes Anheben seines Thoraxes, kann auch entspannend in dieser Position verweilt werden. Was passiert in dieser Haltung? Bei einer Trageerschöpfung kommt es zu einer Dauerüberdehnung der Rumpfträger und somit zu einer Sauerstoffschuld. Dies verursacht immer Schmerzen, gleichzeitig kann die Muskulatur nicht frei arbeiten. Desweiteren kann von verspannten Rückenstreckern ausgegangen werden (siehe den Beitrag ‚Trageerschöpfung‚). Holen wir Fiete nun aus diesem Muster heraus (und somit zurück zur eigentlichen physiologischen Haltung), passieren viele positive Dinge gleichzeitig. Die Rumpfträger werden vermehrt durchblutet, die verspannten Rückenstrecker detonisiert – das Pferd entspannt.

Die ersten Arbeitsschritte in Bewegung dienen dem Detonisieren der Unterhalsstrukturen und dem Heben der Halsbasis. Mit Hilfe des Peitschenknaufes fordern wir Fiete auf, genau an dieser Stelle nachzugeben. Über das Bridle geben wir währenddessen Impulse zur Öffnung des Winkels zwischen Genick und Ganasche. Hierdurch werden die Muskeln des Unterhalses gedehnt und die Halswirbelsäule wird mobilisiert.

Verstärken wir den Impuls am Peitschenknauf und gehen auf Fiete zu, entsteht zur weiteren Mobilisierung ein Seitwärts. Wichtig ist hierbei die Möglichkeit, Vorhand und Hinterhand separat voneinander anzusteuern.

Fiete hat durch den Kurs mit Franz eine neue Lieblingsübung hinzubekommen: das Heben des Thoraxes links im Vorwärts-Seitwärts. Hierfür geben wir mit dem Peitschenknauf einen Impuls hinter dem Schulterblatt und am Rumpf nach vorne oben, wieder gehen wir auf das Pferd zu. Auf dem Foto ist schön zu erkennen, was dadurch entsteht: Fiete hebt seinen Rumpf in Bewegung. Solche ‚funktionellen Mobilisationen‘ sind besonders wertvoll, da hierdurch ein nachhaltiges Lernen beschleunigt wird.

Die letzte Stufe dieser ‚Übungsreihe‘ ist das Heben des Thoraxes in Bewegung. Hierbei dient uns der Sporen als Faszienrad. Durch das Erlernen des Bewegungsmusters im Stand und ohne Reiter, kreieren wir eine Abrufbarkeit auch vom Sattel aus. Der Impuls des Sporens ähnelt den Impulsen von unten – Fiete hebt den Rumpf.

Eigentlich lässt sich sein damaliges Blockieren genau hierauf reduzieren: er war nicht in der Lage, der Aufforderung des Schenkels des Reiters nachzukommen (das thorakale Heben war nicht frei). Durch die dazugehörige Trageerschöpfung entstand ein Schmerz, dem sich Fiete bei erneuter Anfrage nur durch ein Blockieren entziehen konnte. Genau hierfür wurde er für ‚bescheuert‘ erklärt.

Wichtig:

Solche Ansätze sind mit einer Krankengymnastik (genau dem Wortsinn folgend) gleichzusetzen. Natürlich stößt man hierbei an momentane Grenzen und begegnet alten Schmerzmustern. Umso entscheidender ist das bedachte Vorgehen: sobald das Pferd die erste richtige Reaktion zeigt – halten, speichern. Solange es das nicht tut: dran bleiben. Hierdurch entsteht für das Pferd ein verlässliches Muster, auf dessen Grundlage es Vertrauen in die Führungskompetenz seines Menschen bekommt.

Bei all der ernsthaften und wichtigen Arbeit darf niemals der Ausgleich zu kurz kommen. Gestern habe ich Fiete wieder freispringen und sich nach Herzenslust austoben lassen. Natürlich ist er dabei nicht in jeder Faser durchlässig. Natürlich drückt er dabei mitunter den Rücken weg. Natürlich stemmt er gelegentlich aus dem Unterhals – aber auch ein freier und fröhlicher Geist ist ein entscheidender Faktor für die Gesunderhaltung!

Danke,mein Freund.

Wer so viel tut, hat ein entspanntes Mittagsschläfchen mehr als verdient…

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