In den letzten Tagen hatte ich leider wenig Zeit, mich um den Blog zu kümmern. Genauso war meine Zeit auch für Fiete etwas begrenzt, so dass ich mich hauptsächlich auf das Reiten konzentriert habe. Hier macht Fiete sich weiterhin fantastisch. Inzwischen entstehen sogar erste Lippenstiftränder durch ein gleichmäßiges Kauen auf dem Gebiss – sehr schön.
Mich und ihn also in bester Ordnung wähnend, habe ich ihn Samstag nach Längerem mal wieder selber am Bodyformer arbeiten lassen. Tja, vorbei die Freude. Anfangs begann Fiete eigentlich noch recht vielversprechend. Die Seitengänge waren leicht abrufbar, die Unterhalsstrukturen entspannt.

Ein wichtiger Baustein des Bodyformings ist das Begleiten des Pferdes. Hierbei kann man eine Verlängerung des jeweiligen Gangmaßes erzeugen. Darüber ergibt sich ein endgradiges Bewegen der Gelenke, was für eine bestmögliche Gelenkernährung sorgt. Klingt prima – fand Fiete nicht.
Ich sah mich also plötzlich einer hysterischen Variante seiner selbst in absolutem Maximaltonus und mit überquellenden Augen gegenüber.
Was tun?
Die Variante, die sicher vielen liebenden Pferdebesitzern zuerst entspringen würde, ist in dem Fall leider nur das zweitbeste Mittel der Wahl: natürlich möchte man intuitiv sofort den Frieden wieder herstellen, indem man sich selbst zurücknimmt und der vermeintlichen Stresssituation zukünftig aus dem Weg geht. Nur wie soll ich so an meine gewünschte Gangartstabilität kommen? Wie wird mein Pferd auf diese Weise stressstabil? – Leider gar nicht.
Schon wieder ist Nordfriesland im Spiel: Anhalten tut kriegen. Also habe ich mein Seil verkürzt, dabei gleichzeitig aber den Impuls der Peitsche beibehalten. Wichtig, hierbei geht es nicht um das Loswerden meiner eigenen Emotion. Ich bin in meiner Körperspannung ohne großen Mehrtonus geblieben und habe einfach konsequent weiter nach Fietes richtiger Antwort gefragt. Natürlich hat das erstmal zu weiterer Empörung auf Fietes Seite geführt. Da er aber ein schlaues Kerlchen ist, hat er alsbald verstanden, dass von mir und der Peitsche keine Gefahr droht. Gleichzeitig hat er bemerkt, dass Hysterie nicht die richtige Antwort auf meine Anfrage ist. Sobald Fiete das erste Mal mit einer Tonusreduktion und einer geringeren Frequenz im Ablauf reagiert hat, habe ich ihn dafür sofort belohnt – halten, speichern.
Es brauchte einige Wiederholungen, bis ich im Trab neben Fiete herlaufen und dessen Zulegen abfragen konnte. Durch meine Konsequenz habe ich somit wieder einen wichtigen Baustein zu unserer Zusammenarbeit hinzugefügt.
Mir ist klar, dass Fiete sicher auf Grund schlechter Vorerfahrung mit Peitschen und sich schnell bewegender Menschen so reagiert hat. Klar ist aber auch, dass er lernen muss, dass sich damalige Erfahrungen hier nicht wiederholen. Klar ist genauso, dass er trotzdem ’seinen Job‘ machen muss.
Am Ende konnten wir beide unsere Arbeitseinheit entspannt und mit einem Lernfortschritt abschließen. Auch auf meiner Seite: nur, weil Dinge bereits funktioniert haben, heißt es nicht, dass sie das für immer tun. Gerade die Basis gehört immer wieder abgefragt und damit abgesichert. Was mir da passiert ist, ist natürlich sehr menschlich. Das Weiterkommen – also das Reiten – stand im Vordergrund, gleichzeitig war die Zeit knapp. Man sollte doch meinen, dass ich es besser wüsste. Es ist aber wie immer einfacher, von der Bande aus alles richtig zu machen, als selber die S Dressur zu reiten.
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